„Es ist immer schön, wenn man am Ende feststellen kann, dass alle Beteiligten etwas gewonnen haben. Wir haben nun mehr praktische Erfahrungen, die Firmen können expandieren und dem Naturschutz dient es auch noch“, so fasste es eine Schülerin knapp zusammen. 

So sieht angewandter Naturschutz aus, wenn sich die Bereiche Wirtschaft und Ökologie die Hand reichen. Die Firmen Rotech und Air Torque wollten im Ettlinger Industriegebiet „Katzentach“ einen Neubau errichten, was einen Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet darstellt, wie es im Verwaltungsdeutsch so schön heißt. Um die Baumaßnahme durchführen zu können, wurde beschlossen, dass im Gegenzug ein Teilabschnitt des in der Nähe liegenden begradigten Beierbachs renaturiert wird und die Kosten von den beiden Unternehmen übernommen werden.

Was hat nun das Agrarwissenschaftliche Gymnasium, genauer gesagt der Argar-und Umwelttechnik-Kurs damit zu tun? Die Schüler haben in einem gewässerpädagogischen Projekt die naturnahe Umgestaltung des Beierbachs mitgeplant und durchgeführt. Hierbei waren nicht nur Köpfchen, sondern auch tatkräftige Mitarbeit gefragt.

Zuerst musste der Ausgangszustand des Gewässers untersucht und die bestehenden Schwierigkeiten durch die Begradigung festgestellt werden. Danach ging es darum, Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten und zu überprüfen, ob diese realisierbar seien. Unterstützt wurden die Schülerinnen und Schüler nicht nur von ihrem Lehrer Herr Dr. Kleine, sondern auch von der Tiefbauerin Beate Sommer sowie Harald Miksch und Michael Reuschenbach vom Amt für Umwelt und Arbeitsschutz des Landratsamtes.

„Ich habe jetzt einen ganz anderen Blick für den Lauf eines Gewässers bekommen. Wahnsinn, was man da alles bedenken muss. Wie sieht die Umgebung aus? Wo nutzt ein neuer Baum, weil er beispielsweise die Bodenerosion aufhält, wo schadet er aber, weil ein anderer schon in der Nähe steht und sich so in den Ästen zu viel anschwemmen kann und somit eine Überschwemmung entstehen kann?“, fasst ein Schüler die Überlegungen zusammen. Danach haben alle mitangepackt, als es z.B. darum ging, die Störhölzer mit der Strömung auszurichten und in der Erde festzuklopfen. Diese dienen als Mäanderhilfen und der Sauerstoffzufuhr.

Am 17. März wurde der neugestaltete Teilabschnitt feierlich eingeweiht. Der Oberbürgermeister Johannes Arnold und der 1. Landesbeamte Knut Bühler waren sehr beeindruckt von der Gestaltung. „Respekt. Ihr habt engagiert und sehr professionell gearbeitet“, so Arnold.

Ihr praxisnahes Erfahrungswissen können die Schülerinnen und Schüler Mitte April bei den Nachhaltigkeitstagen Baden-Wüttemberg in Heilbronn vorstellen. Sie haben nämlich dieses Jahr das Thema „Unsere Bäche und Flüsse – Die Lebensadern Baden-Württembergs.“