Wie bringt man junge Leute dazu, sich beispielsweise mit dem Sterben von Ortskernen, Landflucht und Landfrust von Jugendlichen, der Vermarktung regionaler Produkte oder altdeutschen Nutztierrassen auseinanderzusetzen?

Indem man im Agrarwissenschaftlichen Gymnasium einen Seminarkurs zum Thema „Stärkung des Ländlichen Raums“ anbietet und den Schülern die Gelegenheit gibt, ihre Projektarbeiten bei einem Wettbewerb zu diesem wichtigen Thema einzureichen.

Einen Seminarkurs kann man in der Jahrgangsstufe 1 (12. Klasse) besuchen. Das Thema des Seminarkurses orientiert sich am Profilfach des Beruflichen Gymnasiums und ist fächerübergreifend ausgerichtet. Im Fokus des Seminarkurses stehen ein erstes wissenschaftliche Arbeiten, die Auseinandersetzung mit Quellen sowie Literatur und das Präsentieren der Ergebnisse. 

Dieses Schuljahr gibt es einen Wettbewerb des Kabinettsauschusses Ländlicher Raum für die ca. 60 SchülerInnen der Jahrgangsstufe 1 aller Agrarwissenschaftlichen Gymnasien in Baden-Württemberg, die an einem Seminarkurs teilnehmen. Das Ziel dieses Wettbewerbs ist es, dass die SchülerInnen sich gezielt mit den grundlegenden Verbindungen zwischen Landwirtschaft, ländlicher Strukturpolitik, Natur- und Umweltpolitik und der Agrar- sowie Umweltwissenschaft auseinandersetzen. Auf diese Weise können sie bei der Entwicklung neuer Lösungsideen zur Stärkung des Ländlichen Raums mitarbeiten. In diesem speziellen Wettbewerb, ähnlich Jugend forscht, werden die Projektarbeiten vor Expertengremien präsentiert und von diesen begutachtet. Die Gewinner werden beim Landwirtschaftlichen Hauptfest Ende September diesen Jahres bekannt gegeben.

Ende Februar waren die Schüler des Seminarkurses zusammen mit ihrem Lehrer Dr. Matthias Kleine in Stuttgart bei einem Treffen aller Seminarkurs-SchülerInnen der sechs Agrarwissenschaftlichen Gymnasien in Baden-Württemberg. Auf dem Programm standen u.a. das gegenseitige Kennenlernen und verschiedene fachbezogene Themen.

So trafen sich am Donnerstag die Teilnehmer zunächst zum Mittagessen in der Mensa der Uni Hohenheim. Anschließend besuchten alle den Meiereihof (eines der landwirtschaftlichen Versuchsgüter der Uni). Hier ging es um Fütterungsversuche bei Kühen zur Gewinnung von Erkenntnissen als Empfehlungsgrundlage für die landwirtschaftliche Praxis. Anschließend ging es zum Institut für Landtechnik, wo Doktoranden ihre Projekte vorstellten: Robotik in der Pflanzenproduktion, Energieeinsparung bei Mähdreschern, Milchkühlung in tropischen Ländern und Ergonomie in den Kabinen moderner Traktoren.

Am nächsten Tag standen im Kultusministerium die Vorstellung der Themen und ein Vortrag über den ländlichen Raum von Jonas Esterl, vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz auf dem Programm.

Danach folgte ein Besuch der Regionalausscheidung von Jugend forscht in Sindelfingen. Hier konnten die SchülerInnen einen Einblick erhalten, wie eine öffentliche Präsentation des eigenen Themas und dessen Vorstellung gegenüber einer Expertengruppe ablaufen.  

 „Es gibt noch viel zu tun. Aber ich habe mir einiges abgeschaut und viele wertvolle Tipps bekommen. Das war super. Jetzt bin ich wirklich motiviert für die weitere Arbeit!“, so das Fazit einer Teilnehmerin.