Bei der Punktabfrage zu Beginn der Projekttage „Ökologischer Landbau“ an der Bertha-von-Suttner Schule am 4./5. und 11. Mai 2015 gaben viele Schüler zu, einigen Nachholbedarf zu haben, was das Wissen in diesem Bereich angeht. „Klar, bio will jeder, aber wie genau man einen Betrieb auf ökologische Landwirtschaft umstellt, das ist doch ein langer Prozess.“, so die Aussage eines anwesenden Betriebsleiters. Unter der Leitung der Fachlehrer Tina Schneider-Pruess, Günter Denninger, Hansjörg Neff und Eberhard Scheck stand die Auseinandersetzung mit dieser Entwicklung drei Tage auf dem Stundenplan.

Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt ständig, jedoch fragen nur wenige Konsumenten danach, welche ökologischen Bedingungen genau gegeben sein müssen, damit Lebensmittel ein „Bio-Siegel“ erhalten können und woher die Lebensmittel denn stammen, denn eine derart hohe Nachfrage kann kaum durch inländische Betriebe gedeckt werden.

Aus diesem Grund strebt der Bund circa 20% ökologische Anbaufläche an; derzeit sind es bundesweit ca. 7%, in Baden-Württemberg 8%; auch die nachhaltige Bewirtschaftung spielt eine große Rolle. In Baden-Württemberg gibt es den Aktionsplan BW des Ministeriums Ländlicher Raum (MLR), der auch die Stärkung der Ausbildung in diesem Bereich vorsieht.

In der berufsschulischen Ausbildung spielt der Ökologische Landbau bislang noch eine untergeordnete Rolle. Daher wurden die Projekttage geplant, um die Schülerinnen und Schüler für die Thematik zu sensibilisieren und einen offenen Dialog zwischen „konventionellen“ Landwirten und „ökologischen“ Landwirten zu ermöglichen. Es ging nicht darum, zu polarisieren; stattdessen wurde das Verständnis für die jeweils andete Bewirtschaftungsform gefördert.

Ausgehend von der Lernsituation bzw. Problemstellung „Chancen u. Risiken bei der Umstellung eines Betriebes auf Ökologischen Landbau“ soll die Thematik handlungsorientiert umgesetzt werden:

Die Schülerinnen und Schüler sollen selbständig planen, welche und wie Informationen beschafft werden müssen, um sachgerecht die Chancen und Risiken einer Betriebsumstellung beurteilen zu können. In der Durchführungsphase werden Informationen, insbesondere bei den Betriebsbesichtigungen beschafft.

Eine Besichtigung fand auf dem Betrieb Schleinkofer in Rüppurr statt, dessen Umstellungsphase auf Ökolandbau seit Januar 2015 für die Dauer von zwei Jahren läuft. Der Betrieb musste in der Milchviehhaltung, außer etwas mehr Auslaufmöglichkeiten für die Kühe nicht viel ändern; er hat auch bisher auf tiergerechte Haltung gesetzt. Aber im Bereich Ackerbau ist der Verzicht auf Pflanzenschutz eine große Herausforderung.

Auch ein Besuch auf  dem Versuchsfeld des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Ka-Augustenberg (LTZ) in Grötzingen stand auf dem Programm; dort werden spezielle Sorten wovon? getestet und die Daten den ökologischen Betrieben bzw. den Landwirten zur Verfügung gestellt.

Der Betrieb Reiser wurde danach besucht: ein Bioland-Betrieb, dessen Leiter Horst Reiser seinen Betrieb und seine Betriebsphilosophie sehr überzeugend darstellt: Legehennenhaltung mit Auslauf und Schweinehaltung sowie einen eigenen Verkaufsladen im Gewerbegebiet Straubenhardt.

In einem letzten Schritt fand nach der Planung, Recherche, der Praxis vor Ort nun die Auswertung und Präsentation der Ergebnisse statt.  In einer Diskussionsrunde, in der auch Herr Kunz, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Herr Reiser vom Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau, Frau Schleinkofer vom Umstellungsbetrieb in Rüppurr, Frau Reinsch vom LTZ Karlsruhe-Augustenberg, Herr Brecht, Schulleiter und einige Schüler des Agrarwissenschaftlichen Gymnasiums anwesend waren, wurden die Vorteile, aber auch die Risiken des Ökolandbaus erörtert. Maßgeblich war hier der finanzielle Aspekt: nur wenn ein deutlich höherer Erlös erzielt werden kann, ist der ökologische Anbau lohnend, da die Erträge niedriger und der Arbeitsaufwand höher ist – die Konkurrenz günstigerer ausländischer Anbieter ist immer eine Gefahr.

Das Fazit der Schüler nach drei Tagen lautete: „Ich weiß jetzt viel mehr über den ökologischen Landbau. Eine Umstellung eines konventionellen Betriebs ist mit viel Arbeit verbunden und jeder Unternehmer muss hier seinen eigenen Weg finden. Auf jeden Fall hat mir diese Art des Unterrichts viel Spaß gemacht und ich habe viele neue Erkenntnisse, auch für meine eigene berufliche Zukunft, mitgenommen.“ Vielleicht macht dieses innovative Projekt Schule und zeigt auch anderen Schulen, wie die Thematik „Ökologischer Landbau“ im Unterricht realisiert werden kann.

Text: Günter Denninger, Anja Hoffmann