Nach knapp vier Jahren als Tierpfleger im Zoo, wollte ich einen Neuanfang wagen. Ich kündigte und bewarb mich an einer Schule, um das Abitur nachzuholen.
Da es schon immer mein Traum war, mal in Afrika in einem Reservat zu arbeiten, kam es mir ziemlich gelegen, dass ich noch genug Zeit hatte, bevor die Schule losging. Also plante ich zusammen mit Projects Abroad einen zwei monatigen Aufenthalt in Botswana. Mir war schnell klar, dass für mich nur das Naturschutz Projekt in Frage kommt.

Ich konnte es kaum erwarten, bis es endlich los ging und als ich dann im Flugzeug nach Johannesburg und Polokwane saß, war ich schon sehr aufgeregt und voller Vorfreude.
In Polokwane traf ich zwei weitere Volunteers, die zusammen mit mir anfingen.
Wir wurden in Empfang genommen und dann zur Grenze gebracht. Dort hatten wir schon unser erstes kleines Abenteuer. Da die Fluten während der Regensaison die Brücke der Grenze zerstörten, überquerten wir den Grenzfluss Limpopo mit einer Gondel.
In Botswana angekommen, brachte uns AB (ein Guide und Betreuer) zum Motswiri Camp.
Sophie (auch ein Guide und eine Betreuerin) führte uns durchs Camp und erklärte uns alles.
Wir lernten die anderen Volunteers kennen und kamen alle bestens mit einander aus.

Eine unserer Aufgaben in meiner ersten Woche war: "Bridge Repair". Wir halfen also dabei, die Grenzbrücke zwischen Botswana und Südafrika zu reparieren. Wir schaufelten extrem viel Sand, den wir zum Betonmischen benötigten und halfen am zweiten Tag dabei den Beton zu mischen und damit eine neue Fahrbahndecke zu schaffen. Am Ende des Tages waren wir alle ziemlich fertig, aber auch sehr stolz auf uns, da es mit unserer Hilfe nun wieder möglich war, die Grenze zu passieren. Als Dankeschön durften wir uns in der Brücke verewigen. Die nächsten Aktivitäten waren nicht weniger spannend und interessant. Wir reparierten unter anderem die "Straßen" im Reservat mit Spitzhacke und Spaten. Da die Büsche immer weiter wachsen, stutzten wir die Büsche in Straßennähe mit Macheten, damit uns keine Äste im Gesicht trafen. Im KwaTuli Reservat gibt es relativ viele Elefanten, die während der Trockenzeit sich gerne an den Baobabs bedienen, da diese viel Wasser enthalten. Dies ist vollkommen natürlich, doch da es kein Gleichgewicht zwischen den Baobabs und den Elefanten im Reservat gibt, würde der Bestand der Baobabs weiter zurückgehen. Deshalb beschützen wir diese mit verschiedensten Dingen, wie zum Beispiel Steinumrandungen, welche ungern von Elefanten überstiegen werden, da diese wackelig und spitz sind. Außerdem gibt es genug Wasserlöcher im Reservat.

"Fence Patrol" (Zaunkontrolle) ist auch sehr interessant. Wir gingen den Zaun, der das Reservat umgibt ab und notierten jedes Loch mit GPS-Koordinaten, damit dieser bald möglichst repariert wird. Jeder Tag ist so aufgeteilt, dass höchstens eine körperlich anstrengende Aktivität ansteht und danach geht man dann oft auf einen der Aussichtspunkte, um Vögel und Säugetiere zu zählen und zu notieren. Meine zwei beliebtesten Aktivitäten waren Spurenlesen und "Anti-Poaching" (gegen Wilderei). Dabei ist man zu Fuß im Reservat unterwegs und man fühlt sich der Natur noch um einiges näher. Außerdem ist man Wort wörtlich auf den Spuren der Tiere. Beim "Anti-Poaching" sucht man nach Drahtfallen, die von Wilderern gestellt wurden, um diese dann ein zu sammeln. Wir fanden einige dieser Fallen und retteten damit pro Falle einem Tier das Leben.

Eine der spannendsten Aktivitäten war auch "Camera-Traps". Dazu platzierten wir im Reservat ein paar Kamerafallen, die bei einer Bewegung vor ihnen Fotos schießen. Wir suchten verschiedene Stellen, wo wir bestimmte Tiere vermuteten. Damit versuchten wir gerade nachtaktive Tiere wie Wildkatzen oder Stachelschweine zusehen. Es hilft auch einen kleinen Überblick auf die Tierwelt zu bekommen. Nach ca. zwei Wochen sammelten wir die Kamerafallen wieder ein und waren jedes Mal sehr gespannt, was uns auf den Bildern erwartete. Wir freuten uns sehr über einen Leoparden mit Welpen, Hyänen, Afrikanische Wildkatzen und vielem mehr.

Zweimal haben wir die Nacht auf dem Aussichtspunkt "Mamatumi" verbracht, wo wir Teams bildeten, die sich abwechselten, um über die gesamte Nacht hin die Tiere notierten, die zum Wasserloch kamen.

Manchmal verbringt man ein bis zwei Nächte außerhalb in einer Lodge zum entspannen. Wir fuhren auch zweimal zur benachbarten Limpopo Lipadi Lodge, wo wir morgens auf eine Safari fuhren und danach uns am Pool erfrischten und an der Bar relaxten. Dort sah ich auch mein erstes neugeborenes Breitmaulnashorn, sowie Afrikanische Wildhunde. Es war jedem selbst überlassen, ob man mitkommen wollte, doch niemand wollte sich das entgehen lassen. Die Samstage verbrachten wir oft an besonders schönen Orten im Reservat, um uns mit einem Picknick zu vergnügen.

Im Camp gab es nichts, was ich vermisste. Wir hatten warmes Wasser zum Duschen per Feuer. Mir gefiel dieser einfache Lebensstile sehr gut. Ich fühlte mich der Natur viel näher, vor allem, da der nächste Ort ca. 45 Autominuten entfernt liegt. Ich fühlte mich zwei Monate lang wie in einem Abenteuer. Vor allem, weil man Nachts nichts hört, außer Hyänen, Elefanten, Leoparden und natürlich viele Vögel. All die Mitarbeiter und Betreuer waren sehr nett und wir hatten extrem viel Spaß.

Die absoluten Highlights für mich waren, dass wir rund vier Stunden durch den Busch liefen und die Spuren von Löwen verfolgten, die wir die Nacht zuvor hörten. Manchmal sind wir für die berühmten Sonnenuntergänge auf "Kopjes" (Hügel) geklettert und hatten von dort einen atemberaubenden Blick auf die Natur. Womit ich nicht gerechnet hatte ist, dass wir doch tatsächlich eines Abends auf dem Rückweg zum Camp einen Leoparden sahen, der vermutlich zum Wasserloch ging, um zu trinken. Wir konnten unser Glück kaum fassen.

Es gibt noch so viel mehr zu erzählen, doch dann könnte ich versuchen es als Roman zu verkaufen :D. Man kann auch all das nicht in Worte fassen, was ich erleben durfte. Sowas kann man nicht erzählen, man kann es nur erleben.

Ich dachte erst zwei Monate würden reichen, doch die sind wie im Flug vergangen. Viel zu schnell kam der Tag meiner Abreise. Mir hat es so gut gefallen, dass ich lieber geblieben wäre. Die Erlebnisse und Erfahrungen, die ich gesammelt habe, werde ich sicherlich nie vergessen. Afrika hat mein Herz voll erwischt. Außerdem hat mich diese Zeit darin bestärkt, über eine Ausbildung als "Field-Guide" nach zu denken. All die Leute/Freunde die ich kennen gelernt habe und die mich für dieses Projekt unterstützt haben bin ich sehr dankbar. Es war eine sau geile Zeit ;-).   

Text: Leon Pauleikhoff