Am 13. November 2013 besuchte unsere Klasse, die 3BFA3/2, den 3. Thementag  „Chronische Wunden“. Wir trafen uns in Remchingen an der Kulturhalle. Auch die Klassen BFA3/1 mit Klassenlehrerin Frau Ziebula und 3BFA2/1 mit Klassenlehrerin Frau Schön waren dabei.

Um 9:00 Uhr begann die Fachtagung, die Halle war gut gefüllt. Die Organisatorinnen Frau Heike Owczarek (Wundfachkraft der Wundambulanz in Ettlingen) und Frau Sabine Seifert (Wundfachkraft der Diakoniestation Remchingen e.V.) begrüßten die Teilnehmer herzlichst.

Unter dem Motto „So viel wie nötig – so wenig wie möglich“ nahm sich der Krankenpfleger Manfred Kiss aus Heidenheim dem Thema Wundversorgung in der Palliativsituation an. Er berichtete über die veränderte Situation bei der Betreuung von Schwerstkranken und sterbenden Menschen.

Besonders wichtig sei es in dieser Situation den Kranken und seine Angehörigen zu begleiten und zu unterstützen. Diese Aufgabe erfordere das „lebendige Sehen“ nach dem Motto „was noch möglich ist“. Es komme darauf an, Fragen zu Tod und Sterben zulassen zu können und ein Umfeld zu schaffen, in dem jeder Antworten finden könne. Dies habe Vorrang, was sich natürlich auf die Wundversorgung auswirke, denn zu heilen sei oftmals nicht mehr möglich. Letztlich stehe die Schmerzlinderung im Vordergrund, die durch spezielles Fachpersonal begleitet werden müsse, z. B. durch Wundmanager und Hospizkräfte. Was wir gelernt haben, ist, dass nicht die Wunde im Vordergrund steht, sondern der Mensch als Ganzes.

Kerstin Protz, Pflegerische Expertin für Wundversorgung aus Hamburg, referierte über das Thema Lebensqualität. Diese sei eine subjektive Wahrnehmung einer Person über ihre Stellung im Leben, welche sich körperlich, psychisch und sozial ausdrücke.

Wenn die Lebensqualität durch eine chronische Wunde eingeschränkt werde, reduziere sich das Selbstwertgefühl der Betroffenen und es entstünden Ängste und Sorgen. Zudem erklärte sie uns, dass sich viele Betroffene häufig nur auf ihre Wunde reduziert fühlten.
Meistens sei eine chronische Wunde mit vielen Problemen für die Patienten verbunden, zum Beispiel träte stark nässendes Exsudat aus und die Betroffenen schämten sich in die Öffentlichkeit zu gehen, da die Kleidung nass werde und die Wunde stark röche.
Für diese Fälle stellte uns Frau Protz verschiedene Wundauflagen vor und erklärte uns anhand von Beispielen, was die richtige Behandlung für Betroffene bedeuten könne, nämlich eine höhere Lebensqualität. Am Ende des Vortrages stellte sie uns einige Produkte zum Verbandslösen vor und gab uns Tipps für eine Wundversorgung ohne Schmerzen. Sicher werden viele von uns diese Ratschläge für ihren weiteren beruflichen Weg nutzen.

Dr. med. Alexander Risse, Chefarzt der Diabetologie am Klinikum Dortmund, referierte über die „Neue Phänomenologie“ des Kieler Philosophen Hermann Schmitz, den Leibesinselschwund. Leibesinseln sind das, was der Mensch am eigenen Leib spüren kann, wenn er dazu fähig ist. Am Beispiel des Diabetischen Fußsyndroms erläuterte Risse, wie Leibesinseln schwinden können. Patienten mit einem Diabetischen Fußsyndrom spürten durch eine schleichende Nervenschädigung ihre Füße meist nicht mehr, oder nur sehr diffus. Dadurch beginne der Leibesinselschwund. Der Körperbereich sei zwar vorhanden, jedoch werde er nicht mehr leiblich wahrgenommen („Körper ohne Leib“). Dies erkläre die geringe Wertschätzung und geringe Achtsamkeit des Bereiches. Der Patient erkenne dadurch wichtige Warnzeichen nicht und begebe sich dadurch häufig viel zu spät in ärztliche Behandlung, was oft zu Amputationen führe.

Im Sinne einer integralen Sicht- und Behandlungsweise forderte er, dass Therapeuten selbst in Verbindung mit ihrer Leiblichkeit stehen oder kommen und die Leibesinseln als einen Teil ihres Seins wahrnehmen und diese anerkennen.

Auf der Fachtagung wurde zwar schwerpunktmäßig über Wunden heilen und Lebensqualität fördern, aber auch über Kontroversen im Gesundheitswesen referiert. Nach den Vorträgen endete der Kongress mit einer Podiumsdiskussion.

Unser Resümee daraus ist, dass wir Lebensqualität fördern können, auch wenn nicht alle Wunden heilbar sind.

Dafür bedanken wir uns beim Wundstammtisch Remchingen mit allen geladenen Referenten und ganz besonders danken wir unserer Klassenlehrerin Frau Greiner, die uns diesen lehrreichen Tag ermöglichte.