Für die SchülerInnen der Klasse BTG 12 wurden am 19. Juli 2019 die Epochen der deutschen Literatur im Schwetzinger Schlossgarten sinnlich erfahrbar.

Malerische Bauwerke entführten die Schüler in ferne und fremde Welten. Sie bezeugen noch heute den zeitgenössischen Bildungskanon einer vergangenen Zeit, in der die antiken mythischen Erzählungen den meisten Parkbesuchern vertraut waren.

Referentin Frau Dr. Maul, die die Gartenführung begleitete, beschrieb sehr eindrücklich die sehr gut erhaltene Gartenarchitektur. In der Sommerresidenz des kurpfälzischen Kurfürsten Carl Theodors spiegeln sich vor allem die formtypischen Elemente der Barockepoche wider. Die exakt strukturierte Ordnung dieser Periode präsentiert sich in Form eines streng symmetrischen Barockgartens, mit Anordnung von Haupt- und Nebenachsen. 15 Kilometer geometrisch gestutzte Hecken und grüne „Hallen“ entsprechen dem damaligen Weltbild, das die Natur als etwas zu Beherrschendes verstand. Gleichberechtigt daneben liegt im hinteren Teil der englische Garten. An dieser Schnittstelle zeigt sich an der scheinbar frei wachsenden Natur, wie sich die Ordnung der barocken Zeit aufhebt und in eine neue freie Geisteshaltung übergeht.

Die aufklärerische Anschauung zeigte sich auch in der Gestalt des griechischen Sonnengottes Apollo beim Spiel der Lyra, der mit einem strahlenden Licht den Weg heraus aus der unwissenden und abergläubischen „Dunkelheit“ des Mittelalters führt. Das vorgelagerte Naturtheater, die Zugänge von Sphinxen-Paaren bewacht, demonstrierten in dieser Zeit die Schauspielkünste sowie Wissenschaft und Macht, so Frau Dr. Maul. Hier erschlossen sich den SchülerInnen tiefere Deutungsebenen der Symbolik.

Die Abwechslung des höfischen Zeitvertreibs und Luxus machte das Badehaus sichtbar. Ein kleines Lusthaus mit einer ovalen Mamorwanne und schlangenförmigen Befüllungsrohren, charakterisierten das Leitmotiv Carpe diem – lieber den Tag leben und genießen anstatt zu viel Zeit an die Endlichkeit zu verschwenden.

Zu einem besonderen Highlight zählte die Moschee im „Türkischen Garten“, mit der sich der kunstaffine Kurfürst, ganz der Aufklärung verpflichtet, als toleranter und weltoffener Herrscher inszenierte.

Man hätte sich noch lange treiben lassen können in der 72 ha großen Gartenanlage. Gefüllt mit vielen Eindrücken und schmerzenden Füßen kehrten alle im Biergarten des Schlossgartenrestaurants „Blaues Loch“ ein. Trotz eines abschließenden Regengusses – wieder in der Gegenwart angekommen – war der Tag ein gelungener Abschluss des Deutschunterrichts der Kursstufe 12.

Text und Fotos: S. Habich-Weisser