„Ein Film, ein Film!“. Die Schülerinnen und Schüler der VABO-Klassen sind ganz aufgeregt. Nicht alle Tage passiert es, dass sie einen Film schauen dürfen und dieses Mal ist sogar der Regisseur mit dabei! Und es ist nicht nur irgendein Film, es ist sogar einer, der ihrer Lebenswirklichkeit, als Flüchtlinge in Deutschland zu leben, recht nahe kommt. Doch wie kam es dazu?

Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen des Landesmedienzentrums und Frau Bohländer sowie Frau Hoffmann von der Schule gab es im Frühsommer ein Treffen, weil es für die Zielgruppe der VABO-Klassen, vorwiegend junge Männer zwischen 16 und 19 Jahren, kaum Medien gab, die den Unterricht mit Büchern und CDs unterstützen konnten. Marcus Bugbee, Referatsleiter am LMZ für Mediendienst und Medienerwerb und Karin Schneider-Weber, ebenfalls vom LMZ, stellten den Kontakt her zu dem Drehbuchautor Jan Galli, dem Produzenten Martin Rohé und zu Jeannine Simons, der Leiterin des Unternehmens Lingua Video, her. Relativ schnell kam nach Berichten über den Schulalltag die Idee, einen Film zu drehen über alltägliche Herausforderungen im Leben junger Asylbewerber in Deutschland. Dieser Film soll die Möglichkeit geben, sich auf einer zusätzlichen Ebene mit der deutschen Sprache und auch der Landeskunde zu beschäftigen. Der Film soll „Deine Zukunft“ heißen und handelt von einem jungen Mann, der ein Praktikum sucht und ihn einen Tag lang begleitet.  

Ganz neu ist das Thema für Jan Galli und Martin Rohé nicht. Galli, der 2015 seinen Abschluss an der Filmakademie Baden-Württemberg im Fach Drehbuch gemacht hat, hat zusammen mit Rohé die Serie „Doktor Afarid“ entwickelt, sie ist das Diplomprojekt der beiden. Doktor Afarid ist ein iranischer Chirurg, der aufgrund eines abgelaufenen Datums auf einem Zeugnis nicht in Deutschland praktizieren kann. Willkommen im exakten Formalismus dieses Landes!

Im Zuge der Vorbereitung für die Serie waren Galli und Rohé selbst vor Ort: in Flüchtlingsheimen suchten sie das Gespräch mit Bewohnern. „Von den Emotionen her war alles dabei. Wir litten bei größeren und kleineren Tragödien mit, wie zum Beispiel bei einer Abschiebung oder dem monatelangem Warten auf Dokumente; wir freuten uns mit über wichtige Erfolge, wie dem Brief mit der Anerkennung oder das Bestehen einer Prüfung oder wir saßen einfach nur mit den Bewohnern und einer Tasse Tee zusammen. Das war unheimlich wichtig.“

Entstanden ist aus diesen Erfahrungen der Pilotfilm „Dr. Illegal“ und genau diesen durften die Schüler der VABO-Klassen anschauen. Das war aus mehreren Gründen wichtig. Zum einen war die Vergabe von Filmfördermitteln an die Durchführung von Film-Workshops in Schulen gebunden und auch in einer anderen Hinsicht ist das Publikum einer Flüchtlingsklasse wichtig: Wie viel können die Schüler verstehen? Was verstehen sie auch ohne Worte? Gibt es Ähnlichkeiten zu ihrem Leben? Wie sehen sie Deutschland und sich selbst in diesem Land? Diese und noch viele weitere Fragen konnten in zwei Vorführungen geklärt werden. Jan Galli war danach sehr zufrieden: „Der Film hat die Schüler sehr gefangen genommen und sie sind durch ihn ins Reden gekommen. Das war super! Bei einigen Stellen gab es aber mit dem Verständnis aber noch Probleme. Das hilft mir sehr, wenn wir im Dezember mit den Dreharbeiten für „Deine Zukunft“ beginnen.  Jetzt weiß ich, woran ich noch arbeiten muss.“, so lautete das Fazit des Drehbuchautors und die Schüler gingen an diesem Tag nach einem etwas anderen Deutschunterricht nach Hause und hatten trotzdem viel gelernt.